28
Aug
2014
3

Begin Again

Manchmal begegnen mir Filme ein paar Mal und ich versuche herauszufinden, ob da irgendwelche versteckte Botschaften aus dem Universum auf mich warten. Begin Again, Can A Song Save your Life, ist so einer, den ich im Kino am See gesehen habe. Als ich bei meiner Kundin Andrea Welti von Feel Better Than Good rausspaziert kam, habe ich gemerkt, dass sich etwas durch diesen Film an mir verändert hat. Nicht, dass ein Song mein Leben gerettet hätte. Leider habe ich den Anschluss an die multiplen und meist-möglichen Musikleidenschaften etwa mit 14 Jahren verloren. Nicht weil mich picklige Jungs in ihren mit Platten und Postern dekorierten Kinderzimmern von irgendwelchen Dark Sides of the Moon überzeugen wollten, nein. Ich habe seit meiner Teenagerzeit keinen direkten Draht zur Musik mehr, weil ich es nicht ertrage, Stöpsel in meine Ohren zu stecken. Ich kriege davon Atemnot, Platzangst und ein leeres Gefühl im Bauch. Das heisst, ab der Lancierung des ersten Sony Walkmans, der mit den Kassetten, den man zum Joggen haben musste, ist mir das grosse Feld der Musikthemen davongerannt. Zum Tanzen liebte und liebe ich die Discos der Achtziger, den Spirgarten und das Spuff, das Hazyland und das Roxy. Aber dieser vom Ohr ins Herz reichende Kanal voller Harmonie ist für mich verschlossen. Vom Discman bis zu den iTunes im iPhone ist das so geblieben, ganz egal wie weich die Ohr-Dinger geformt wurden. Ich verstehe aber jeden, der sich seine Songs aufs Smartphone lädt, die Kopfhörer überzieht und so seinem Leben einen persönlichen und privaten Soundtrack verleiht. Ich gehöre leider nicht zu dieser glücklichen Mehrheit, beneide sie aber sehr. Der Musik-Film Begin Again schwelgt profimässig in dieser Welt. Ich mag den Film trotzdem, weil er die Story erzählt, wie zwei Menschen das Ende ihrer wichtigsten Liebesgeschichten überleben wollen und das irgendwie auch schaffen. Dank viel Musik, aber auch durch ihre Freundschaft und durch ihren Mut fürs Grenzen überschreiten und Neuland betreten. Man kann Mark Ruffalo den Alki nicht abnehmen, weil seine Locken schampar schön schamponiert sind. Man kann die dünne Keira Knightley sonst nicht mögen, aber in diesem Film ist sie eine starke, selbstbestimmte Frau, vielleicht eine Prise zu altklug. Ihre Musik ist meine Sache nicht, aber ihr Kleidungsstil ist es sehr, und nachdem ich mir den Film genauer angesehen habe, trage ich wieder aufgekrempelte Stoffhosen, Blazer und Männerschuhe. Ein Look, den ich liebe, seit ich etwa 14 bin. Und ich pfeife fröhlich vor mich hin beim E-biken. Begin Again.

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