23
Aug
2014
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Eine Stange mit Sinn, bitte.

Heute im Magazin war diese schöne Geschichte zu lesen, von diesem Schriftsteller, der eine Beiz in Olten hat und mit dem Kärreli sein Altglas entsorgen geht – immer montags – und der sich fragt, ob es besser ist, einfach zu leben oder das Leben zu beschreiben, es aufzuhübschen mit Literatur. Beruf oder Berufung ist die Frage, glaube ich. Der Anspruch neben dem eigentlichen Verdienst auch noch Lebenssinn als Lohn einzustreichen, scheint sein Luxusproblem zu sein. Ist es aber nicht. Ich habe das entdeckt, nachdem meine Kinder das Haus verlassen haben und ich keine Familie mehr hatte, die mir den Sinn des Lebens täglich vor Augen hielt. Nicht nur für mich allein arbeiten, nein, für andere, die abhängig sind von mir, das hat 20 Jahre lang Sinn gemacht. Ich versuche mich seither selbst zu coachen und den Sinn meiner Arbeit, des Schreibens zu erweitern, sagen wir vom Werbetexten zum Bloggen. Das heisst Sie, liebe Leserinnen und Leser, sind zum Sinn meines Lebens geworden. Oder nur die Idee, dass es da draussen eine Leserschaft geben könnte, macht schon Sinn für mich. Oder aber auch nur, dass ich selbst meine Zeilen lesen kann, hilft, das Schreiben sinnstiftend zu finden*. Einfach leben, einfach schreiben. Daran arbeiten, Literatur schaffen. Den Massstab so hoch ansetzen, dass man als Schreibender an die Grenzen geführt wird. Sich der Schrift stellen. Ein einsames Unterfangen, kein Geld von nirgendwo und dann erst noch den Sinn selber herstellen müssen. Ja, ich glaube, dann würde ich auch lieber Stangen ausschenken. Aber allein dieser Artikel im Tagi Magi ist so voller liebevoller Details, Weisheit, philosophischer Überlegungen und Menschlichkeit, dass man ihm am liebsten zurufen würde: „Mehr!“ Oder vielleicht ist das raffinierte Werbung und ich muss dafür den Weg nach Olten unter die Füsse nehmen und dort ein Bier trinken und hoffen, dieser wortgewandte Wirt widmet mir ein paar Momente? ich liebe das Lesen fast mehr als das Schreiben und bin allen dankbar für diesen seltsamen narzisstischen Altruismus anderen schriftlich etwas mitgeben zu wollen. Vielleicht sind viele Gastwirte auch Instant-Poeten, doch verehre ich jedes Blatt Papier, dass Dichter brauchen, wenn sie etwas Bleibendes sagen wollen. Fazit: Bierträger gibt es genug, Werbeträger auch. Aber solche schreibenden Sinnträger kann es nie genug geben.

*Und ja, ich habe mich besser gefühlt nachdem ich diesen Blog geschrieben habe.

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