13
Aug
2014
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Danke fürs Plagen, Peter!

Zehn Texterinnen und Texter arbeiten gerade mit Volldampf an ihrer ersten Kampagne. Drei Konzepte sind gefragt und eines wird dann nach allen Regeln der Kunst auf diverse Werbemittel dekliniert. Die Sommerferien geben den Zeitrahmen und ich spiele fliegendes Klassenzimmer mit Feedbacks am Telefon und via Mail. Das Erstaunliche ist immer wieder die Einsicht: Ideen haben, ist nicht schwer, am Konzept dranbleiben dagegen sehr. Ich habe ja ein paar Coachausbildungen genossen und frage mich einfach mal durch, wenn der Konzepttext halbfertig, nicht durchdacht und voller logischer Fehler ist. Meistens versteckt sich in diesen Konzepttexten voller Fallmaschen ungeheuer viel Vorstellungsvermögen und Kreativkapital. Jetzt höre ich meine alten Konzepterkumpels schnöden, ihnen hätte damals als sie noch Junior-Texter waren auch niemand das Händchen gehalten. Blut, Schweiss und Tränen, hiess das Motto. Das stimmt, das habe ich auch so erlebt bei Lesch+Frei, dieser ungezähmten Inhaberagentur, welche die Achtziger Jahre in der CH-Werbung stark geprägt hat. Peter Lesch und Aldo Frei waren und sind zwei originelle Denker und Kämpfer für die Idee ohne Fehl und Tadel. Ich war 1986 eher aus einer Laune heraus engagiert worden, weil das andere Genie-Talent-Wunderkind einfach nicht pünktlich liefern konnte. Also versuchen wir’s mal mit diesem ähh Mädchen. Aldo und Peter waren in ihren Konzepten sehr verschieden, aber immer der Idee in Reinkultur verpflichtet. Es war frech, was sie machten, und immer intelligent, humorvoll und es gab auch was zu lernen dabei. „So einfach ist es denn auch wieder nicht“, hörte ich sehr oft, wenn ich mit meinen Headlines angetrabt kam. Sie machten es mir schwer. Die Idee, das Konzept, das war der heilige Gral, und ich weit, weit davon entfernt. Ich arbeitete hart für eine Weltwoche-Headline. Hunderte Schlagzeilen wurden während Wochen aus meiner IBM mit Korrekturtaste herausgehämmert. Und nur ein einziges Mal war das Lob so unbeschreiblich, das Peter nur nicken konnte, ohne Worte. Diese Methode kann ich in der Erwachsenenbildung nicht anwenden. Niemand hat heute so viel Zeit. Drum versuche ich zwischen den Zeilen der halbfertigen Konzepte, die wahre Idee in Worte zu fassen, eine Sehnsucht zu konkretisieren für die Texterinnen und Texter in spe. Und wie bei einem guten Fussballmatch, stellt sich die gegnerische Mannschaft wieder neu auf und macht einen Konter, ehrgeizig, einfallsreich und ja auch mit viel Einsatz von Zeit. Und siehe da: Ein Goal wird erspielt und eingestopft. (Diese Fussball-Metaphern strapaziere ich gerne, weil Peter mich immer aufzog mit dem Satz „wer nöd tschutte cha, cha auch nöd tegste!“ Haha, danke fürs Plagen, Peter!!)

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