26
Sep
2014
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Thanks for Sharing

Was treibt mich, Auftragsschreiberin für Geld dazu, einen Blog zu schreiben? Jede Stunde, die ich texte, kann ich für mehrere Hundert Franken verrechnen. Das Konzepten hat zudem eine wertsteigernde Dynamik: Wer bei der Zielgruppe ins Schwarze trifft mit einer Idee, einem Claim, einer Kampagne, ist wer in der Branche. Das Bloggen hat für mich genau in diesem Fehlen von Finanziellem seinen identitätsstiftenden Reiz. Für irgendjemanden da draussen zu schreiben, hat etwas von einer Pusteblume die zu 99% vergeblich ihre Fallschirmchen-Samen verteilt. Doch das eine Prozent kann jemandem Freude machen, die Augen öffnen, einen Schritt weiterbringen. Wie ich auch durch Social Media viele, viele Inspirationen von irgendwoher bekomme. Thanks for Sharing. Im Moment liefert mir ein Film mit Mark Ruffalo diesen Schreibstoff der „Thanks for Sharing “ heisst. Er spielt darin einen Sex-Süchtigen, der dank einer Selbsthilfegruppe mehr als fünf Jahre enthaltsam gelebt hat und sich dann in Gwyneth Paltrow verliebt. Nur um beim ersten Streit einen Rückfall zu haben. Sehr wahrscheinlich ist der Suchtgruppen-Alltag in Amerika nicht bevölkert mit so charismatischen Figuren wie Tim Robbins und Pink. Aber das Wie ist mir in diesem Film mehr unter die Haut gegangen als das Wer. Sie schreiben jeden Tag, sie beten und meditieren und sie stehen sich zur Seite, immer. Das Sharing der eigenen Sicht der Sucht ist das Heilmittel der Gruppe. In Worte fassen und teilen, was man für unsagbare Gefühle hat. Das Teilen nützt nichts, wenn man lügt. Denn wer lügt, bleibt fühlbar stecken. Und wieso im Schmerz der Konsequenzen der eigenen Sucht gefangen bleiben, wenn man nur wahre Worte finden und diesen teilen, halbieren kann? Gwyneth Paltrow als Brustkrebs-Überlebende im Film ist sich nicht zu schade für ihre Issues im wahren Leben (Kontrollsucht beim Essen gepaart mit exzessivem Sport) hin zu stehen. Die Entdeckung, dass es immer das eigene Problem ist, in das wir uns verlieben, mag nicht neu sein. Und dass in der Fortsetzung von Verliebtheit zur echten Liebe, wahre Worte finden die wichtigste Bedingung ist, auch nicht. Es gefällt mir, dass alle Süchtigen im Film einen Rückfall haben, dass alle wieder zurück an den Start müssen, und dass es sie nur stärker macht in ihrer Entschlossenheit, nicht nur aus ihrer Sucht zu bestehen. Die Beziehungen, die in den Gruppen-Meetings entstehen, sehen alarmierend eng aus und dass der „Service“ füreinander beinhaltet, immer erreichbar zu sein, auch. Jedoch werden die Rollen ständig getauscht, das wirkt sehr gesund, mal ist man oben, mal ist man unten. Kein Therapeut mischt mit, der ausserhalb des Ganzen lebt, alle sind süchtig und mehr oder weniger erfolgreich auf ihrem Weg. Und sehr selten bekommt man einen Meilenstein geschenkt auf dem vielleicht steht: Surrender Idiot.

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