12
Nov
2014
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Weltuntergang im Schrebergarten

Vor dem 21.12.2012 redete alles vom Weltuntergang. Die Maya-Experten in allen Medien, Roland Emmerich durch den Film 2012, sogar meine Mutter als Katholikin, liess sich in den mystischen Strudel einwickeln und hoffte auf die Kraft ihrer Rosenkranz-Gebetgruppe. Ich war eingeladen an ein Referat im Rahmen meiner Coachingausbildung das den Titel trug: “ Was macht man als Coach, wenn alles zusammenbricht?“ Interessante Denkanstösse waren dabei, aber vor allem die Botschaft: Kluger Rat, Notvorrat. Selbst ich als notorische No Nonsens Predigerin habe mich im November dann dazu verleiten lassen ein paar Gedanken an den Weltuntergang zu verschwenden und das ging am besten im Schrebergarten beim Unkraut jäten. Meine wichtigsten Einsichten: Ja, ich würde meinen Schrebergarten mit dem Gewehr verteidigen, aber ich würde nie eins kaufen. Ja, ich bin Optimist und setze jetzt alles, was ich kann in den Boden in der Hoffnung im Januar und Februar eine Kohlsuppe für meine Liebsten kochen zu können. Und ja: Ich würde wahrscheinlich durch meine Naivität schon als erste beim Überlebenskampf eingehen, sic. Und während ich die düsteren Szenarien vor meinen inneren Auge Revue passieren lasse, halte ich einen Büschel Klee mit einem besonders grossen Klumpen Erde in der Hand und entdecke in der Mini-Mulde, die so entstanden ist eine Käferlarve, etwas so gross wie mein kleiner Zeh. Und dieser kleine Käfer, der sich voller Vertrauen fünf Zentimeter unter der kalten Oberfläche schlafen gelegt hat, nur geschützt durch eine dünne Haut und der Information in seiner DNA, dass viele Generationen vor ihm das überlebt haben, hatte die wichtigste Einsicht für mich parat: Ich vertraue mich an, ich schlafe jetzt ein, und wir sehen uns dann im Frühling. Ich war gerührt, und im tiefen Herzen neidisch auf diese Einfachheit. Dafür habe ich jetzt ein Ritual erfunden und pflanze sogar im November (Siehe Bild Federkohl) voller Vertrauen in den Boden und in die Natur. Wenn sich unter der Kälte und dem Schnee alles schlafen legt, okay, Wir sehen uns dann wieder im Frühling. Den kleinen Käfer habe ich wieder behutsam mit der Knolle aber ohne Klee zugedeckt, und wir haben zusammen dem Weltuntergang gelassen entgegengeblickt.

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