3
Dez
2014
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Beruf und Berufung

Nach 20 Jahren glücklicher Beziehung mit meiner Texter-Profession, hatte ich 2006 auf einmal das Gefühl, da gibt es doch noch mehr zu entdecken. Und ich habe mich als Dozentin und als Coach weiter ausbilden lassen, und auch noch – weil’s so schön war – als Prozessbegleiterin. Die Erwachsenenbildung ist ein Multi-Milliarden-Markt in der Schweiz, der facettenreich und faszinierend aufgebaut ist, Motto „Lebenslanges Lernen“. Meine Kinder (Jahrgang ’89 und ’92) sind jetzt schon schulmüde und leidenschaftlich on the job am Lernen, traumatisiert von Früh-Französisch und anderen Folter-Fächer. Meine Eltern haben noch dafür bezahlt, etwas lernen zu dürfen, traumatisiert von einer Kindheit im Krieg (Jahrggang ’31 und ’36) war eine Ausbildung einer Art Halluzinogen einer sicheren Zukunft. Diese italienische Früh-Investition hat sich bezahlt gemacht. Mein Papa war so gut in seinem Beruf als Schlosser, dass er in der Wagonsfabrik in Schlieren nach dem Vorstellungsgespräch (mit Übersetzer!) und ein paar präzisest gebogenen Metallplatten, einen Job und viel Respekt bekam für 25 Jahre. Nach meinen Weiterbildungen und den ersten Gehversuchen in diesen Branchen, bläst mir hingegen eine steifkalte Brise ins Gesicht. In den Lehrbetrieben gibt es Dozentinnen und Dozenten, die ihren Beruf seit Äonen ausüben, und für Frischlingen wie mich nur ein sehr müdes Lächeln übrig haben. In der sozial-therapeutischen und psychologischen Szene ist fast alles verbindlich geregelt, Verbände sei Dank. Der Versuch von Coach-Kollegen zum Beispiel als Kinder Coach in eine Primarschule rein zu kommen, ähnelt dem Frontalangriff der Griechen im trojanischen Krieg: Nix zu machen. Ich liebe meinen Texterberuf immer noch von Herzen, und habe jetzt mit Social Media eine Spielwiese entdeckt, die mich total begeistert. Aber als Coach und als Dozentin habe ich auch einiges zu bieten, und drum setze ich auf den Trick vom alten Odysseus und juble diesen verknöcherten Strukturen mein trojanischen Pferd unter. Es heisst Leidenschaft. Einer exzellenten Werbeidee ist es ja auch egal, wie viele Erfahrungsjahre ich auf dem Buckel habe, entweder sie ist kreativ und der Hammer, und sonst muss ich nochmals ran. Und wenn ich das gefühlte Tausend mal machen muss heisst es Leiden schafft. Das ist auch bei Kursen und Coaching-Angeboten so. Entweder sie sind überzeugend und der Hammer und sonst muss ich nochmals ran. Ich bin ja ein Baby Boomer und mit 51 Jahren heisst das jetzt glaube ich Midlife Boomer. Fazit: Weiterbildungen hin oder her, ab Fünfzig muss mir niemand mehr sagen, wie ich meine Talente berufen in Szene setzen soll. Ich brauche einfach täglich Vitamine und Nährstoffe, um mein altes griechisches Pferd zu motivieren, sich nochmals vor ein paar trojanische Städte zu postieren. Never change a winning One-Trick-Pony.

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