3
Mai
2015
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Die sieben Schleier der Krisis.

Auch meine ärgsten Feinde sprechen mir eines nie ab: Ich bin eine begnadete Schönschwätzerin. Der letzte und beste Beweis: Ich habe aus meiner Sinnsuche/Lebenskrise ein Textselfie gemacht und sogar Geld für den Druck desselben erschwatzt. Wenn ich fürs Schönschwatzen Geld bekomme, scheine ich weniger furchterregend zu sein. Wenn ich über Lebenstiefs und -hochs gratis und franko meine Theorien verbreite, werde ich peinlich berührt totgeschwiegen. Wieso ist das so? Und wieso tut niemand etwas dagegen? Ich habe mich auf die Suche gemacht, nach der Schutzpatronin für Lebenskrisen im internationalen Götterfirmament. Eine Grossfahndung nach der Göttin, welche für die Schönschwätzer ihre Hand schützend raushält, und wurde bei den alten Ägyptern fündig. Isis war die Mutter/Gattin/Göttin, die den Tod und seine Geheimnisse besiegt hat, um der Liebe willen, und für das Leben ihres Sohnes. Während andere Göttinen wie Demeter heute für Bioqualität stehen, oder Nike für Turnschuhe, hat Isis irgendwie einen schlechte Reputation, nämlich gar keine. Oder noch schlimmer eine tiefschwarze, wegen ihrer Namensvetter in Grossbuchstaben. Gaia, Mutter Erde, und Diana, keusche Göttin der Jagd, haben ihre feste Fanbase. Persephonne durfte sich in Pose werfen für diverse Maler der Renaissance und die Venus von Botticelli ist der Verkaufsmagnet für Tickets in die florentinischen Uffizien. Danae, die von Zeus als Goldregen begattet wurde, hat Klimt unsterblich gemacht.Aber niemand verehrt die Frau von Osiris und die Mutter von Horus, obwohl sie eine Macht über den Tod entdeckt hatte. Ganz im Gegensatz zu den alten Ägyptern, die ihr pro Tag 7 Stunden huldigten, verdrängen wir ihren Zauber, den des Schöpferischen in uns. Ich bin zum Schluss gekommen, dass Isis als Göttin der Esoteriker, die sieben Schleier zwar gelüftet hat, um den Sinn des Lebens zu erklären, aber dann vergessen wurde: Weil das alles eine sehr persönliche und sehr private Unternehmung bleiben soll. Nun regnet es heute schon wieder, ich habe Zeit und ich habe mir überlegt, ob ich die sieben Schleier für mich benennen kann, für mich ganz privat und persönlich. Und ja ich kann. Und ich glaube, dass das jeder tun soll, besonders bei melancholischen Endzeit-Sehnsüchten und bei Dauerregen und bevor das gute alte Prozac verschrieben wird. Wieso sollen die Flügel der Fantasie weniger gut sein als Pharma, um sich mit den dunklen Clouds anzufreunden oder den Untiefen des Styx? Wieso nicht an das Märchen glauben, dass das eigene Lebensdrehbuch schreibt? Die Gebrüder Grimm und die Wolfsfrau Pinkola Estes sind Könner und mit ihren Geschichten unglaublich beflügelnd. Aber besonders wenn man ein Drama der eigenen Leidensgeschichte immer wieder durchleben darf, kann man selber kreativ damit umgehen lernen und hier meine sieben Regie-Tipps dazu: Die Bösen gehören auch  zu den Guten, die Abschiede verwandeln sich zu Anfängen, die Angst wird zur Liebe, der Schatten tritt ins Licht, das Unten wird zum Oben, das Kleine transformiert sich in Grosses, das göttliche Ganze wird durch das Ego ans Buffet des Lebensgenusses gezogen. Happy-End mit Blaubart. tbc.

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