19
Feb
2016
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Ich für Fortgeschrittene

Jeder will geliebt werden, besonders an seinem Geburtstag. Aber nicht ich und besonders nicht an meinem Geburtstag. Diese Obsession, an meinem Geburtstag nicht geliebt werden zu wollen, zeigt sich in der Obsession, wie ich mich ständig für dieses Handicap entschädige, indem ich mir selbst imaginäre Liebesbeweise am laufenden Band schenke, eigentlich das ganze Jahr. „Ich könnte mir einen Bergamotte-Cheesecake backen.“ „Ich könnte mir ein halbes Dutzend Vintage-DVD’s kaufen.“ „Ich könnte nach Indien auswandern.“ „Schaut her, es ist doch so einfach, mich zu lieben und mir eine Freude zu machen“ rufe ich allen in aller Stille zu. „Aber ich erlaube es Euch nicht!“ schiebe ich dämonisch grinsend nach. Es begann wohl mit fehlgeleiteten Geschenken in der Familie, die mich zwangen, mich geliebt zu fühlen. Es ging weiter mit Geburtstagen, an denen Freunde und Partner vergeblich alles gegeben haben, um mir zu zeigen, wie sehr ich geliebt werde: Mit Büchern, Essen, Liebesbriefen, Gold und Edelsteinen, Überraschungsparties, kleinen Fluchten in 5-Sterne Hotels, Blumen. Ich habe gequält Freude vorgespielt, ein Lächeln geblufft und alle haben es gemerkt. So eine Zeitverschwendung. Irgendwann habe ich mich geoutet. Ich will mich nicht geliebt fühlen von anderen, besonders nicht an meinem Geburtstag. Ich mache seit ein paar Jahren keine Konzessionen mehr. Da ich meinerseits meine Lieben liebe, und sie es ihrerseits erlauben, habe ich sie an meinem Geburtstag einfach von mir befreit, bin weit weggereist. SMS und Facebook-Posts durften mich lieben, Menschen nicht. Ich habe mein Alien-Allein-sein genossen, an mir gearbeitet und wenn mich meine spirituellen sieben Jahre etwas gelehrt haben, dann, dass es um das eigene Bewusst-Sein geht. Erkenne dich selbst, dann erkennst du Gott. Gut. Getan. Und dann, wie geht es weiter auf diesem Pfad der Erleuchtung? Mit einem mutigen Schritt ins Neuland. Sobald Bewusst-Sein zur Comfortzone wird, ist auch Erleuchtet-Sein langweilig. Ich habe dieses Jahr beschlossen, dass das mich nicht geliebt fühlen wollen aufhört. Ich atme einfach tief durch, lasse das Leben zu und nehme ab morgen ein neues Risiko in Kauf. Ich schenke mir an meinem 53.Geburtstag, die Freiheit zu nehmen, was kommt, und zurück zu geben, was mir beliebt. Es ist wie es ist. Und sei es , das ich geliebt werde in diesem Leben.

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