4
Jan
2017
1

Kräuter statt Krisen!

Nie fühle ich mich gleichzeitig so jung und so alt wie am Anfang des Jahres. Fröhlich steigen all die vielen Aufbruchstimmungen der vergangenen gut 50 Jahre auf. Gleichzeitig hallt das Gefühl der Traurigkeit wider, die ich bei den Beerdingungen vieler, vieler Träume mitgenommen habe. 2017. Ein Sonntagskind, dieses neue Jahr. Eine Assoziation, die zu einer entspannten Sicht führen sollte. Sonntagskinder haben es immer etwas leichter, sagt man. Wie kann ich es mir leichter machen? Schwierig, denn die Einsicht ist klar, am besten fühle ich mich als Problemlöserin. Alle Menschen sind so gebaut. Ein Problem definieren, mit anderen teilen, einen Lösungsweg planen, darauf los gehen und immer das Ziel vor Augen haben bis man ankommt und den Erfolg feiern. Das scheint die Definition eines erfüllten Lebens zu sein. Was kann ich daran leichter machen? Vielleicht gleich beim Ziel starten? Ich bin glücklich mit einer schwankenden Auftragslage, ich bin glücklich mit meinem Ausbildungsangebot unter enormem Spardruck, ich bin glücklich als Aufsichtsperson in vielen gesundheitlichen Belangen in meiner Familie, ich bin glücklich mit mir allein. So weit so gut. Keine Probleme, keine guten Vorsätze, keine unnötigen Anstrengungen. Der Lösung ist es egal, woher das Problem kommt! Das ist einer meiner Lieblingssätze aus meinen Coachingausbildungen. Nur, was mache ich bloss in meinem Garten Eden ohne Probleme? Ich langweile mich doch so schnell. Ich könnte um den Baum der Erkenntnis herumspazieren und mir den Apfel ansehen. Ich könnte mit der Schlange parlieren und mir anhören, was sie in Sachen Verführung so alles für Tricks draufhat, ich könnte ein Schläfchen machen und mir das Paradies Atemzug um Atemzug einverleiben, die Ruhe, die Stimmung, das Ambiente. Ich könnte die Nähe zu Gott geniessen, diesem grossartigen Schöpfer von Allem und Alles, und wahrscheinlich würde ich anfangen, Kräuter zu sammeln auf Vorrat, mein weiss ja nie. Tatsächlich sind Kräuter mein neues Hobby. Komisch genug, dass ich mich als Kopfmensch während und nach meiner Midlife-Krise am glücklichsten in meinem Garten fühle. Nichts macht soviel Sinn wie Unkraut jäten und säen. Seit letztem Jahr pflege ich meine Leidenschaft für Kräuter in einem eigenen Beet. Ich bin fasziniert, was sich über Jahrhunderte über diese speziellen Pflanzen für Wissen angesammelt hat. Kräuter sind die stärksten Ressourcen der Flora. Sie duften, sie schmecken, sie wirken so ungemein stark, dass sie die erste Medizin waren, welche die Gesundheit zu beflügeln vermochte. Natürlich auch auf der dunklen Seite. Vielleicht ist es auch meine Sehnsucht, dieses privilegierte Stadium als Menschenkind ü50 zu erreichen. Ich will auch wie ein Kraut sein und wirken, mein ganz eigenes Aroma besitzen, meine ganz eigene Wirkung entfalten. Ja, das ist es: Gegen Ideenmangel, Einfallsarmut und Lieblosigkeit ist ein kreatives Kraut gewachsen: Anna Maria Esposito, aus der Familie der napoletanischen Meerentwurzelten.

1 Kommentar

  1. Richtig, Anna. Gegen so vieles ist ein Kraut gewachsen. Man muss es nur finden. Und dann dem Salat, den wir da haben, beimengen. Oder trocknen und rauchen. Wie schreibst Du so treffend: „Dem Problem ist es egal, wo die Lösung herkommt.“ Oder nein, umgekehrt… Das passiert, wenn man Probleme mit Krautrauchen lösen will. Und zur Not helfen Krautwickel, wie zu alten Tagen. Meist um die Beine. In diesem Sinne, liebe Anna: Bleib dufte, bleib stark, bleib kräutersuchend. Und findend!

Kommentar hinterlassen