2
Aug
2018
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Hands on.

Die Schweiz, die aus Prinzip nichts aus der Hand geben will, lässt sich bei der Schulabschlussfrage das Wichtigste aus den Finger gleiten, und das ist gefährlich, sehr gefährlich.

Wenn die Schweiz der Welt etwas vorgelebt hat, dann das: Dass sie sich nie gescheut hat, einen eigenen Weg zu gehen. Händeringende und haarraufende Zahnärzte aus Tschechien, wild gestikulierende Designpäpste aus Italien, deutsche Ingenieure mit Zornesfalten, sie alle mussten auf dem Schweizer Bildungsgweg nochmals beweisen, dass sie ihr Studium nach CH-Kriterien und CH-Systemen bestehen können. Heute ist alles anders und jedermann kann z.B. mit einem Master of Arts in der Schweiz Kunst dozieren. Alle, ausser Schweizer mit einem gewissen Jahrgang und ohne Master. Fazit: Alle Schweizer Pioniere mit Geburtsjahrgängen in den 60er und 70er Jahren, die sich in der helvetischen Arbeitswelt ihren Weg clever selbst erobert haben, fallen bei Jobinterviews unter den Tisch und Theoretiker, die Wissen einfach auswendig gelernt und einen Master geholt haben, machen das Rennen. Ganz egal, ob es einen Inländervorrang mit 40 000 Franken Busse gibt oder nicht. Ohne Master-Qualifikation hat man heute keine Chance.

Gefährlich, sehr gefährlich. Vor allem, weil die digitale Transformation uns eines vorlebt: Nichts, was heute gelernt wird, hat einen garantierten Wert in der nahen Zukunft, geschweige in der fernen. Ergo lässt sich mit auswendig gelerntem Wissen gar nichts mastern.

Die Zauberzutat made in Switzerland hatte und hat etwas unwiderstehliches: Der Zappelphilipp, der sich zum brillanten Bauführer gemausert hat, hat sie. Der stumme Aussenseiter, der ein kreativer Texter wurde, hat sie. Der Legastheniker, der es zum Filmer gebracht hat, hat sie. Sie sind alles Originale. Der Stolz auf einem ganz ureigenen Weg ein Ziel erreicht  oder sogar neue Massstäbe geschaffen zu haben, das ist der Stoff, aus dem die Zukunft ist. Und für die Schüler der Zukunft, haben diese Leute kostbares Erfahrungsgut zu bieten. Wir brauchen nicht mehr Masters auf dem Papier sondern Meister im Leben. Wir brauchen mehr eidg. dipl. Eigensinnige, Widerspenstige, Andersdenkende, Mutige, Quereinsteiger, Träumer, Springinsfelder, Möchtegerns, Anpacker, Nichtlangüberleger, Kopfundkragenriskierer. Deshalb habe ich einen Entschluss gefasst und eine ganze Schule für kreative Wege gegründet. Einerseits, weil ich genau weiss, wie ich als Creative Coach aus einfachen Schreibtalenten textstarke, berufstaugliche Kampagneros mache. Und andrerseits, weil unser Land mit 7 Millionen an Ideenkapital einfach besser unterwegs ist für die digitale Zukunft. Also raus aus den Schubladen, rein in die eigene Schreibkraft. Denn: Aufschreiben muss man die Etappen des eigenen Werdegangs doch noch können. Alle sind willkommen: von 9 bis 99 Jahren.

Fussnote: Das Bild stellt den heiligen Franziskus von Assisi dar, Erfinder der originellsten Metaphern.

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