14
Mai
2024
0

Meine Celi.

Celi ist vor zwei Jahren zu mir gekommen. Ein perfektes, puscheliges schwarzes Büsi geboren in der Walpurgisnacht. Eine Vorbotin des Hexenbulletins? Vielleicht. Mit Sicherheit ein mutiger Neuanfang für Zweisamkeit und die beste Partnerin, da unabhängig und wunderbar eigen. Um ihren ersten Geburtstag herum ist sie fast an der Geburt ihrer Babies gestorben. Jetzt nach ihrem zweiten Geburtstag überrascht sie mich mit nächtelangen Absenzen. Und ich überrasche mich, wie ich um drei Uhr morgens durch Herrliberg wandere und leise nach ihr rufe.

Sich Sorgen machen war ein Hobby von mir. Fragen Sie meine Kinder. Ich habe viel Fantasie und in Krisen balancierte ich zwischen Bildern des Schreckens und Mantras des Spirituellen bis ich so müde war, dass ich aufgegeben habe und etwas Grösseres Überhand nahm. Ich nenne es Hingabe. Meine Sehnsucht nach meiner perfekten Welt war unerreichbar und der fruchtbare Boden auf dem meine Ängste gediehen. Nach vielen Jahren der Reflektion, dachte ich, ich stehe jetzt drüber. Denkste!

In meiner perfekten Welt sind alle gesund und alle haben alles, was sie sich wünschen. Ich weiss, ich töne wie ein kleines Mädchen mit Helfersyndrom. Damals als ich mit sechs meine Puppenstube eigerichtet habe, war mir die (Er-)Lösung dazu schon klar. Schon damals lebet ich als Eskapistin allein in der Puppenstube. Sie besass eine grosse Bibliothek, ein stilvolles Schlafzimmer und eine kleine Küche. Allein sein schützt mich nicht vor dem Wahnsinn, der in mir tobt, wenn ein geliebter Mensch in einer Krise steckt. Aber wenigstens muss ich mich niemandem gegenüber erklären.

An meinen langen Abenden habe ich vor ein paar Jahren angefangen, Astrologie zu studieren. Breaking News: 2008 hat Pluto begonnen durch den Steinbock zu wandern und 16 Jahre lang hat der Herrscher von Sterben und Werden uns alle durchgemengt und nicht nur mich ganz besonders an die Kandare genommen Vieles ist zu Recht auf dem Kompost gelandet, weil nicht mehr lebensfähig. Zu viel? So oder so: Die gute Nachricht ist, dass ich nicht allein bin in diesem Abenteuer, und wie die Weisen sagen: Die Trennung von den anderen ist eine Illusion.

Bilanz seit 2008: Kinder ausgezogen, Partner verabschiedet, Jobs weitergegeben, Eltern fertig begleitet, Gesundheit und Krankheit balanciert: Pluto schenkte mir immer wieder den Ground Zero und die Chance, mich neu kennen zu lernen. Heute bin ich Texterin des Hexenbulletins, Gärtnerin und Creative Coach.

In der zweiten Nacht, in der Celi nicht nach Hause gekommen ist, habe ich diesen Satansritt wieder stundenlang durchgemacht. Nur habe ich dieses Mal meine Kleider angezogen und bin um 3 Uhr Nachts in Herrliberg um die Ecken gestrichen und habe leise „Celi“ gerufen. Ich wollte nicht mehr nur in die Resignation/Meditation gehen und mich damit trösten, dass alles schon vorgeschrieben ist, dass sie ihre Abenteuer selbst bestehen muss und dass das Schicksal zuschlägt, ob ich will oder nicht. Ich wollte dem Universum mitteilen, dass ich sie liebe. In Wort und Tat und von ganzem Herzen.

Ich bin dann um fünf Uhr wieder ins Bett, mit einem Gefühl von Leichtigkeit und was soll ich sagen: Um sieben miaute mich Celi aus dem Schalf und die Welt war für fünf Minuten perfekt in Ordnung.

 

Leave a Reply