Ein frostfrischer Vorsatz.
Es ist Neujahrsmorgen 2026 und ich schreibe diesen Blog auf dem Bett in meinem spirituellen Praxisraum in meinem Daheim. Drei Kerzen brennen auf meinem schamanischen Altar, der aus einer niedrigen IKEA-Bank aus Eiche besteht. Ich habe ein paar Jahre gebraucht, um eine Beziehung zu diesem Ritual zu finden. Lena Stevens vom Power Path of Shamanism hat’s mir online vorgezeigt und ich habe geübt. Bis ich bei einem neuen Learning ein Gefühl entwickeln kann, geht es Jahre. Jetzt liebe ich dieses schamanische Ritual, das am Sonntag beginnt mit frischem Wasser und neuen Steinen, schönen Federn und warmem Kerzenlicht. Am Montagmorgen ziehe ich die Karten der Woche. Die Göttinnen sind jetzt gerade sehr aktuell und ich habe gleich zwei Sets: ein klassisches und ein indigenes. Auf der Bank steht auch eine pink blühende Orchidee, die meinem Papa gehört hat. Als Start wecke ich die Energie mit einer handgemachten Rassel aus dem NONAM in Zürich. Ich gestalte das Altärli nach Gefühl immer neu und jetzt machen mir grad die Koriandersamen von meiner Pflanzenfreundin Angi sehr viel Freude.
Mein spiritueller Praxisraum gehört ganz mir. Ich lounge beim Schreiben auf dem Einzelbett, das ich am Wegrand gefunden habe im 2009 nachdem ich von Bali nach Hause gekommen bin, Genau hier bin ich nach den zwei OP’s im 2023 wieder gesund geworden. Isabelle Widmer, meine Nachbarin und Shiatsu-Therapeutin, hat mir mit ihren Hausbesuchen im 2024 die Muskeln und Meridiane wieder gerichtet. Danke in den Himmel für das, liebe Isabelle. Am Fenster stehen zwei Sessel um einen kleinen grauen Tisch, der eine hellgrün, der andere braun. Manchmal mache ich Beratungen hier. Eine Wand meines Praxisraums ist in Knallorange gemalt, eine Idee meiner Tochter. Ein Kunstgemälde mit dem Portrait einer engelsgleichen Frau habe ich dort aufgehängt. Auf ihrer linken Brust steht: Mi fido di te.
Gegenüber vom Bild ist eine Wohnwand mit vielen farbigen Ordnern voller Lerninhalte im Gegenwert von mindestens 100 000 Franken: Eidgenössische Diplome, Weiterbildungsurkunden, Kursbestätigungen und Workshop-Zertifikate häufen sich. Begonnen hat meine Ausbildungsodyssee im 2005 mit dem SVEB und mit einem Coaching-Wochenende in Sternenberg begleitet von einem Meter Neuschnee. Danke für diese Initiation, liebe Julia Cattai. Wir wurden am KV Zurich Business School in einem professionellen Assessment für das Dozieren durchleuchtet und damals war schon klar: Die Angst, mich selbst zu sein, unterminiert meine vielen Talente aufs Gröbste. In den 12 Jahren in der Erwachsenenbildung und Persönlichkeitsentwicklung bin ich dieser Angst immer besser auf die Spur gekommen. Diesem Filter, der sich hinter Selbstaufgabe, Ehrgeiz, Überkorrektheit, Superpünktlichkeit, Erschöpfung, Selbstverurteilung und Perfektion versteckt.
Ich habe als Gewinn vieles einfach fühlen gelernt. Und 2026 komme ich auf den frostfrischen und glitzernden Vorsatz: mehr davon. Der Angst wird eine strenge Diät verschrieben und gleichzeitig wird täglich mein Mut trainiert. Weil ich brauche Mut, um mich selbst zu sein. Mut, meine Freuden zu geniessen, ohne sie gleich aus Angst wieder abzutun, weil der nächste Fail kommt ja bestimmt. Ich habe meinen spirituellen Praxisraum mit dem schamanischen Altar, der engelsgleichen Figur, den vielen Büchern und den noch zahlreicheren Diplomen vor allem für mich eingerichtet. Und – wer weiss- vielleicht eines Tages auch für Dich.

Wir geben der Angst generell zu viel Raum. Drum ist eine strenge Diät für sie sehr angebracht. So lange, bis sie nur noch gufechnopfgross ist.
Dieser Beitrag über die Angst hat mir sehr gefallen.