Happy Birthday to me
Von 63 Geburtstagen habe ich mindestens 50 durch eine Flucht gefeiert. Nach Italien, nach Schottland und nach innen. So circa ab 55 Jahren habe ich begonnen mit etwas Scheu meine Liebsten zum Znacht einzuladen, habe auch ein paar kleine Partys geschmissen (legendär meine Einladung zum 60igsten im silbrigen Paillettenkleid in der Albanesi Pasticceria am HB Zürich). Aber jetzt zum 63igsten habe ich mit zwei wundervollen Frauen etwas ganz Kreatives geplant und umgesetzt: Den würdigen Beginn meines Einhornjahrs.
Alles begann mit ominösen Prophezeiungen aus der astrologischen Welt und meinem Gefühl, ich müsste dann schon mal irgendwann ein Outing haben mit meinen spirituellen Tools. Et voilà: Am 20. Februar dieses Jahres – so trompetete es auf allen Social Media Kanälen – hatten Saturn und Neptun zum Date abgemacht, nicht nur grad- sondern minutengenau. Making Real the Dream, so das Motto und das an meinem Geburtstag! Da Neptun (der Traumflüsterer) zusammen mit Saturn (dem Prüfer) eine Vereinigung vollzog, tönte das fantastisch-realistisch. Und das alles erst noch im ersten Grad des Widders (Aufbruch, Neustart, Anfang).
Seit mindestens 6000 Jahren war das nicht mehr da gewesen und die Astro-Regel lautet: Rarity gives Potency. So weit, so gut, sagte ich mir und beschloss zwei mächtig begabte Frauen nach einem Stelldichein zu fragen. Die Jüngere hatte die Idee zur Kakao Zeremonie, die uns euphorisiert in den Nachmittag starten liess. Ich habe meine Chariklo Magie eingebracht, in der ich mich energetisch zur Verfügung stelle, Lebensfragen in Aussagen umzuwandeln und mit dem Muskeltest abzufragen. Erstaunliches spielte sich ab und wir haben alle zusammen ein paar Fortschritte gemacht. Doch ganz egal, ob wir levitiert, manifestiert oder einfach Zauberkarten gezogen haben: Das wirklich Neue war für mich, dass ich in meinem Körper geblieben bin und mir erlauben konnte, all das Wunderbare, dass sich vollzog, wirklich zu fühlen.
Zur Natur von Angststörungen, von denen ich ein hübsches Exemplar besitze, ein paar weise Worte: Angst erhält uns am Leben und ist eine gute Sache. Die Störungen und Zerstörungen unsere Angst sind aber schlecht fürs Leben, vor allem, wenn sie uns aus dem Schatten heraus ohne unser Wissen manipulieren. Ihr geschütztes Schattendasein verdanken sie dem Phänomen der Prägungen. Wir haben uns zum Beispiel als Kinder im Dunkeln geängstigt und uns zum Schutz a) den Daumen in den Mund gesteckt b) die Augen fest zusammen gedrückt c) nach Mama gerufen etc. So speicherten wir diese Lösungen als erfolgreich ab, und später als Erwachsene holen uns diese Strategien unsichtbar und versteckt ein. Eine Angst einflössende Situation kommt auf uns zu und wir a) trinken Alkohol, werfen Pillen ein, essen etwas Süsses b) wir verdrängen mit Filmen, Sex, Machtspielen c) wir wenden uns an eine höhere Instanz wie Gott, die SVP oder Mama. An diesem Vorgang ist nichts auszusetzen, ausser, dass wir bei Überforderung eine unbestimmte Panik entwickeln können und dringende Entscheidung dann nicht fällen, sondern ausweichen.
Meine Spezialität ist neben mich hin zu stehen und wie eine zweite Instanz zu meinem Gefühlsleben zu etablieren. Das macht mein Leben bombensicher, aber auch zu einem halben Leben. Stelle ich diese parallele Instanz ab, fliege ich blind und werde von Adrenalin und Panik überflutet, sobald etwas Neues mich herausfordert. Was auch nicht immer schlecht ist, besonders wenn man sich als Kreative im schöpferischen Prozess den unmöglichsten Aufgaben stellt und eine Idee fischen muss im Unbewussten. Irgendwie kommen mir die besten Ideen, in der Todesangst zu versagen. Aber das ist kein Erfolgsrezept auf Dauer.
Das Neben mich stehen mache ich offenbar in einer Dimension, ausserhalb von mit. Das hatte mit den Jahren zur Folge, dass ich mich umgeschaut habe nach anderen Dimensionen und et voilà: Es gibt sehr viele von diesen Membranen. Lustigerweise treffe ich in diesen Multiversen viele nette Gleichgesinnte zum Beispiel auf Youtube Kanälen, die mir mit den Jahren viele Ängste genommen haben. Vor allem die Angst, allein zu sein. Doch nichts gegen das Allein sein oder besser Alleins sein. Ich bin dann im Flow und fühle mein Leben in reinster Form.
Nun steht mein neues Lebensjahr unter dem Schutz des Einhorns, was mich ein paar meiner Ängste entheben soll. Auf meiner Wunschliste stehen ganz oben:
- Die Angst, abgelehnt zu werden. Weil wenn ich mich akzeptiere, ist es egal.
- Die Angst, allein zu sein. Denn ich bin gern allein mit mir.
- Die Angst, zu vereinsamen. Wenn ich über meine spirituellen Tools rede, passieren Wunder, die nicht passieren, wenn ich schweige.
- Die Angst, nicht geliebt zu werden. Das Universum liebt mich bedingunsglos.
- Die Angst, ausgegrenzt zu werden. Meine eigene Grenze, grenzt Unbrauchbares zuerst aus.
- Die Angst, keine Arbeit zu finden. Alles ist Arbeit, sogar atmen. Es gibt einfach nicht für alles Geld.
